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MDR-TB-Behandlung in Indien; Foto: Siddharth Singh

Tuberkulose (TB) ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lungen befällt und unbehandelt zum Tod führen kann. In Deutschland besser bekannt als „Schwindsucht“ gilt TB als längst besiegte Krankheit. Doch TB ist global ein wachsendes Gesund-heitsproblem: Mit 1,8 Millionen Todesopfern im Jahr 2015 ist TB aktuell die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit der Welt. Zudem ist TB als eine über die Luft übertragbare Krankheit auf allen Kontinenten verbreitet. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit TB-Erregern infiziert; bei ca. jeder zehnten infizierten Person bricht die Krankheit im Laufe ihres Lebens aus.

Trotz der weiten Verbreitung ist TB bis heute eine schlecht erforschte Krankheit. Die aktuell gängigen Methoden zur Diagnose und Behandlung von TB sind zum Teil veraltet; es fehlen leicht durchführbare Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie neue und gut verträgliche Arzneimittel. Dies gilt besonders im Bezug auf Kinder. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jährlich etwa vier Millionen Menschen, die an TB erkrankt sind, nicht diagnostiziert oder gemeldet. Aufgrund des langwierigen und komplizierten Behandlungsregimes wird die Behandlung zudem in vielen Fällen vorzeitig abgebrochen. Diese Faktoren stellen eine Gefahr für die weltweite Kontrolle der Krankheit dar.

Unter anderem als Resultat unvollständiger Behandlung haben sich neue TB-Erreger entwickelt, die gegen die gängigen Medikamente resistent geworden sind. Die sogenannte multiresistente TB (MDR-TB) stellt laut WHO eine öffentliche Gesundheitskrise dar, da es für sie keine adäquaten und günstigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten gibt. Die Heilungsrate für multiresistente TB liegt laut WHO bei weltweit gerade einmal 50 Prozent.

Auch die hohe Koinfektionsrate mit HIV macht TB zu einer großen Gefahr. Durch die Schwächung des Immunsystems sind Menschen, die mit HIV infiziert sind, sehr viel stärker durch TB gefährdet als HIV-negative Menschen. 2014 waren rund ein Drittel der Todesfälle bei HIV-positiven Menschen auf Tuberkulose zurück zu führen, damit war sie die führende Todesursache von Menschen mit HIV.

Im Jahr 2015

    • starben 1,8 Millionen Menschen an TB – das sind über 4.930 Todesfälle pro Tag;
    • erkrankten 10,4 Millionen Menschen neu an Tuberkulose;
    • gab es 480.000 neue Fälle von multiresistenter Tuberkulose.

Tuberkulose – nur eine Gefahr für Länder des globalen Südens?

Gerade in der WHO-Region Europa stellt MDR-TB eine wachsende Gefahr dar. Die Region hat verglichen mit den fünf anderen WHO-Weltregionen die höchsten Vorkommen von MDR-TB. Zusammen mit Afrika ist Europa die einzige WHO-Region, die das Millenniumentwicklungsziel bezüglich TB-Mortalität und –Prävalenz nicht erreicht.

Und auch in Deutschland stellt TB laut dem Robert Koch-Institut eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Mit Blick auf die hohen Zahlen von MDR-TB in Europa, die sich über alle Grenzen hinweg schnell ausbreiten können, ist anzunehmen, dass die Zahl der Tuberkulosekranken in Deutschland wieder wachsen wird. Dies birgt auch hohe wirtschaftliche Kosten; so gibt es Schätzungen, dass TB die Europäische Union jährlich 5,9 Milliarden Euro kostet.

Deutsche Verantwortung    

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Labormitarbeiterin bearbeitet TB-Proben; Foto: Alexander Glyadyelov

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich sowohl auf internationaler wie auch auf regionaler Ebene im Rahmen einer Vielzahl von WHO- Resolutionen zu einem verstärkten Engagement im Kampf gegen TB verpflichtet. Beim Vergleich der weltweiten Forschungsausgaben für TB kommt Deutschland gemessen an seinem Bruttosozialprodukt jedoch überhaupt nur knapp unter die fünfzehn größten Geldgeber. Für ein Land, das die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt darstellt und sich selbst gerne als großen Forschungsstandort rühmt, bleibt Deutschland damit im Bereich der TB-Forschung weit hinter seinen Möglichkeiten und selbst gesteckten Ansprüchen zurück.

Dabei besitzt Deutschland eine lange Tradition und ein großes Erbe in der Erforschung von Tuberkulose. So war es der Berliner Wissenschaftler Robert Koch, der im Jahr 1882 den TB-Erreger entdeckte und damit erst die Diagnose und die kausale Therapie der Krankheit ermöglichte.

Und gerade jetzt ist die Zeit für ein verstärktes Engagement in der TB-Forschung günstiger denn je. Zum ersten Mal seit fünfzig Jahren gibt es neue TB-Medikamente in der Forschungspipeline. Jedoch ist deren Anwendung noch nicht ausreichend analysiert, zudem sind sie nur eingeschränkt verfügbar. Darüber hinaus wird Tuberkulose stets mit mehreren Präparaten (Regime) behandelt, so dass einzelne Medikamente nur erste Schritte auf dem Weg zu besserer Therapie darstellen können.