Alle Artikel von admin

Abendveranstaltung: „Zum Greifen nah? Das Ende von Aids, Tuberkulose und Malaria. Eine afrikanische Perspektive.“

Berlin, 07.07.2016: Im Vorfeld der fünften Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds (GFATM), die am 16. September 2016 in Montreal, Kanada stattfinden wird, 20160706_0027kam die südafrikanische Sängerin und politische Aktivistin Yvonne Chaka Chaka nach Deutschland. Sie ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten Afrikas und engagiert sich als Botschafterin
im Kampf gegen die vermeidbaren Krankheiten HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria (Foto: Grischa Jäger). Dabei unterstützt sie u.a. auch die vom Stop-TB Forum mit getragene internationale ParlamentarierInneninitiative des Global TB Caucus.

Das Stop-TB Forum lud gemeinsam mit dem Aktionsbündnis gegen Aids, den Freunden des Globalen Fonds Europa und ONE in Deutschland zu einer Abendveranstaltung mit der Künstlerin in der Berliner Friedrichstadtkirche ein. Gemeinsam mit Yvonne Chaka Chaka sollte diskutiert werden, wie sowohl Deutschland als auch die afrikanischen Staaten ihren Teil dazu beitragen können, das Leid, das diese drei tödlichen Krankheiten noch immer verursachen, endlich zu beenden. Weitere Panelisten waren Louis Da Gama (Direktor der Princess of Africa Foundation), Dr. Marie Goretti Harakeye (Leiterin des Social Affairs Department der Kommission der Afrikanischen Union) sowie Dr. Georg Kippels (MdB).

„What have you done today to make you feel proud?“ – mit dieser gesungenen Frage untermalte Y. Chaka Chaka ihren Bericht über die eigene Sensibilisierung für das Thema armutsbedingte Infektionskrankheiten. Sie hob schließlich die vielfältigen Statistiken über den positiven Impakt von GFATM-Geldern in vielen afrikanischen Staaten hervor, dies wurde von Louis da Gama ergänzt mit einer Betrachtung der positiven Effekte auf das Empowerment von Frauen und Mädchen. 20160706_0035Dass die Bekämpfung der so genannten Großen Drei einen „Tipping Point“ erreicht hat, wurde von Dr. Goretti Harakeye unterstrichen – ließen die Bemühungen nun nach, gefährde man schnell die mühsam errungenen Erfolge. Dr. Kippels führte aus, dass in den vergangenen Jahren auch durch die Verabschiedung der SDGs ein Bewusstseinswandel in der dt. Entwicklungspolitik stattgefunden habe und verwies darauf, dass der am selben Tage von der Bundesregierung öffentlich gemachte, äußerst geringen Aufwuchs der Beiträge zum GFATM für 2017 noch durch Einwirken des Bundestages erhöht werden könne und solle.

Welttuberkulosetag 2016 – „Unite to end TB“

Bild 1Weltweit, 24. März 2016: „Unite to end TB“ – dieser Aufruf zur Geschlossenheit ist Motto des Welttuberkulosetages 2016. Er richtet sich an Zivilgesellschaften, PolitikerInnen, internationale Organisationen, PatientInnen sowie ForscherInnen und viele andere mehr. Denn die Tuberkulose bleibt als weltweit tödlichste Infektionskrankheit mit 1,5 Mio.Todesfällen jährlich eine der größten globalen Gesundheitsgefahren und ihre Bekämpfung durch gestärkte Forschung & Entwicklung, umfangreichere Behandlungsprogramme und ein Ende der Stigmatisierung drängt. Neue Rahmenbedingungen, wie die Ausbreitung resistenter Erreger, zeigen deutlich auf, wie unzureichend die Antworten in der Vergangenheit ausfielen.

In den zurück liegenden Wochen hat das Stop-TB mit Veranstaltungen, Pressemitteilungen und Gastbeiträgen auf den Welttuberkulosetag 2016 hingearbeitet (siehe untenstehende Beiträge). Er erscheint in diesem Jahr vor dem Hintergrund neuer ambitionierter Ziele in der TB-Bekämpfung wichtiger denn je. Um sie zu erreichen, bedarf es massiver Anstrengungen und gemeinsamen Handelns: „Unite to end TB“ – dieser Aufruf muss globalen Widerhall finden.

Bild 3

Bild 2

20 Jahre Welttuberkulosetag – (K)ein Grund zum Feiern. Ein kritischer Blick des Stop-TB Forums

Berlin, 23. März: In einem Gastbeitrag zum aktuellen Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch Instituts zieht das Stop-TB Forum anlässlich des Welttuberkulosetages 2016 Bilanz. Dabei sind die massive Forschungslücken ebenso ein Thema, wie die dramatische Unterfinanzierung von Behandlungsprogrammen und die Verantwortung deutscher Politik.

Die Ausgabe 10/11 2016 des Bulletins findet sich frei zugänglich als PDF unter:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/AktuelleAusgaben/aktuelleAusgaben_table.html

Tuberkulose: Von der „Schwindsucht“ zum „Superkeim“ – Forschung zu TB und antimikrobiellen Resistenzen (AMR) im Kontext von G7/G20

Berlin, 17. März: Die Ausbreitung teils extrem resistenter TB-Erreger nährt die Sorge um ein „postantibiotisches Zeitalter“, gerade die WHO Region Europa bildet ein wichtiges Epizentrum. Der Forschungsbedarf in den Bereichen Behandlung, Diagnostik und Impfstoffe ist äußerst dringend und Deutschland hat sich bei seiner letztjährigen G7-Präsidentschaft mit den Agendaschwerpunkten „Armutsbedingte Infektionskrankheiten“ und „Antimikrobielle Resistenzen“ zur verstärkten Verantwortung bekannt. Vor diesem Hintergrund diskutierte das Stop-TB Forum am 17. März im Bundestag mit ParlamentarierInnen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft über Parl. Frühstück 2016_PlenumForschungslücken, politische Handlungsoptionen sowie die daraus resultierenden Aufgaben für den G7- und G20-Prozess. Das Event erfolgte in Form eines Parlamentarischen Frühstücks und erfuhr umfangreiches Interesse (Foto: Sabrina Göddertz).

Stephan Albani (MdB), Schirmherr der Veranstaltung und engagiert im Global TB Caucus, begann seine Ausführungen mit dem Aufruf, die Gesellschaften in den Ländern, wo TB für Viele eine überwunden geglaubte Krankheit darstellt, wieder stärker für das Problem zu sensibilisieren (Foto: Sabrina Göddertz). Ein Bewusstseinswandel sei vonnöten, um stärkere politische Dynamiken, beispielsweise bezüglich größerer Forschungsförderung, zu wecken.Parl Frühstcük 2016_Albani

Anschließend legte Frau Dr. Katharina Kranzer, Leiterin des Nationalen und Supranationalen Referenzzentrums für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel, anschaulich dar, weshalb resistente TB-Erreger eine Art Musterbeispiel für antimikrobielle Resistenzen sind. Dabei verwies sie allerdings auch auf die komplexen Implikationen von Besonderheiten der TB, etwa die Möglichkeit der Bakterien, in einen jahrelangen „Ruhemodus“ zu verfallen. Dr. Kranzer zog Parallelen zu den erfolgreichen Leitbildern in der HIV/Aids-Bekämpfung („Know your epidemic, know your response“) und sprach sich eindringlich für eine Stärkung von tragenden Säulen wie etwa Labor-Qualitäten in betroffenen Ländern, Zugang zu Behandlungsprogrammen und Forschung zu kürzeren Therapie-Regimen aus.

Sebastian Dietrich, medizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen, ergänzte diese Einblicke in seinem Vortrag mit Erfahrungen aus der jahrelangen Arbeit im Osten der WHO-Region Europa. Er zeigte dabei auf, wie dramatisch sich die Resistenzentwicklung in einigen Ländern bereits darstellt und welche massiven Schwierigkeiten die langwierigen, quälenden und oftmals nicht erfolgreichen Therapien den PatientInnen vor Ort bereiten. Zwar hob er neue Möglichkeiten in der Diagnostik hervor, verwies jedoch eindringlich auf die Notwendigkeit kürzerer Therapien und eine angemessene Ausstattung der Arbeit des Globalen Fonds. So sei der GFATM in einigen Ländern der zentrale Akteur zur Bereitstellung von vielfach benötigten TB-Präparaten.

Nach kurzer Zusammenfassung hob schließlich Max Klein, Koordinator des Stop-TB Forums, hervor, dass etwa das Beispiel der TB-Bekämpfung in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeige, welche Erfolge die staatliche Stärkung der Forschung zu Antibiotika erreichen könnte. Darauf aufbauend, griff er die 2015 formulierten G7-Vorhaben in den Bereichen Forschung und Gesundheit auf, um einen Ausblick für mögliche Neuerungen wie De-Linkage oder alternative Forschungsmodelle auszubreiten.

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch eine engagierte Diskussion, in der unter anderem Fragen zur Bekämpfung von Stigma sowie der momentanen TB-Situation in Deutschland besprochen wurden.

Pressemitteilung Welt-Tuberkulose-Tag 2016: Aktionsbündnis gegen AIDS und Stop-TB Forum fordern: Bundesregierung muss mehr in Forschung und Behandlung gegen Resistenzen und TB-HIV-Koinfektionen investieren

Berlin, 17. März 2016: Der diesjährige Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März steht unter dem Motto „Unite to end TB“. Gemeinsam weisen daher die zivilgesellschaftlichen Netzwerke von Stop-TB Forum und Aktionsbündnis gegen AIDS auf einen dramatischen Handlungsbedarf hin. Die Bundesregierung muss den deutschen Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) deutlich erhöhen, um Behandlungsprogramme international zu sichern und auszuweiten. Auch sollte Bundeskanzlerin Merkel sich bei der anstehenden Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation und beim kommenden G7-Gipfel dafür einsetzen, dass konkrete Beschlüsse für besser finanzierte Forschung zu resistenter Tuberkulose gefällt werden

Tuberkulose (TB) und HIV sind die weltweit tödlichsten Infektionskrankheiten mit je über einer Million Todesfälle jährlich. 2014 starben laut Weltgesundheitsorganisation 1,5 Millionen Menschen durch TB, wovon 0,4 Millionen Todesfälle aus einer Koinfektion mit HIV resultierten. Nicht nur in Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas sondern auch in der WHO-Region Europa breiten sich zudem schwer behandelbare Antibiotikaresistenzen teils rasant aus. „Im globalen Engagement gegen antimikrobielle Resistenzen muss die Bekämpfung resistenter Tuberkuloseerreger eine Schlüsselrolle spielen“, so Max Klein vom Stop-TB Forum. „Bei resistenter Tuberkulose ist die Diagnose aufwendig, viele Antibiotika sind veraltet. Die qualvollen und langwierigen Therapien werden oft abgebrochen oder schlagen fehl. Daher benötigen wir dringend eine stärkere Forschungsförderung.“ Astrid Berner-Rodoreda vom Aktionsbündnis gegen Aids stellt zudem fest: „Neue Kombinations-Präparate, die sich für TB in Entwicklung befinden, müssen letztlich auch bezahlbar sein. Der Medicines Patent Pool ist hier ein wichtiges Instrument, um auch den Zugang zu TB-Medikamenten zu erleichtern. Die Bundesregierung sollte Pharmaunternehmen auffordern, ihre neuen Produkte an den Patentpool zu lizenzieren.“ Berner-Rodoreda und Klein sind sich zudem einig: „HIV- und TB-Gesundheitsdienste müssen vor Ort integriert arbeiten, um Koinfektionen zeitnah erkennen und behandeln zu können.“

Das Stop-TB Forum und das Aktionsbündnis gegen AIDS fordern daher gemeinsam von der deutschen Politik:

1.       Forschung & Entwicklung zu Resistenzen und vernachlässigten Krankheiten stärken

Der Forschungsbedarf im Bereich antimikrobielle Resistenzen ist gewaltig. Für die pharmazeutische Privatwirtschaft erscheint ein Engagement jedoch nicht lukrativ genug. Erhöhte öffentliche Fördermittel und neue Forschungsanreize müssen diese Finanzierungslücken ausgleichen. Dabei geht es um neue Antibiotika aber auch bessere Diagnostik und Präventionsmöglichkeiten wie Impfungen. „Deutschland hat sich 2015 während seiner G7-Präsidentschaft aktiv zu verstärkten Anstrengungen im Bereich Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen sowie vernachlässigten und armutsbedingten Infektionskrankheiten bekannt“, so Max Klein, „es müssen jetzt konkrete Fortschritte von G7 und Weltgesundheitsorganisation erzielt werden, etwa durch einen internationalen Forschungsfonds zur Koordinierung und Finanzierung der globalen Vorhaben in diesen Forschungsfeldern.“

2.       Koinfektionen von TB und HIV weltweit besser bekämpfen

„Damit die Ausbreitung von TB-HIV-Koinfektionen verhindert werden kann, müssen auch die in manchen Regionen stark von TB betroffenen Haftanstalten besser in die öffentliche Gesundheitsversorgung integriert werden“, macht Sylvia Urban vom Aktionsbündnis gegen Aids deutlich, „Der Globale Fonds ist ein entscheidendes Instrument, um sozial diskriminierte und gefährdete Menschen mit lebensbewahrenden Gesundheitsdiensten zu erreichen. Seit seiner Gründung konnten über 13 Millionen Menschen eine Behandlung gegen TB erhalten. Die Bundesregierung bezeichnete den GFATM wiederholt als zentrales Finanzierungselement der internationalen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich. Wir erwarten, dass Deutschland diesen Worten nun auch Taten folgen lässt. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, mindestens 0,1% des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungs-zusammenarbeit im Gesundheitsbereich aufzubringen, muss endlich umgesetzt werden! Wir erwarten eine deutliche Erhöhung des deutschen Beitrags für den GFATM bei der Wiederauffüllungskonferenz im Herbst.“

Kontakt: Max Klein (Koordinator Stop-TB Forum), Telefon: 0176-988 13 131, E-Mail: max.klein@stop-tb.de & Peter Wiessner (Referent für Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit Aktionsbündnis gegen AIDS), Telefon: 0163-456 85 14, E-Mail: wiessner@aids-kampagne.de

Volltext als PDF: PM_Welt-TB-Tag_2016_Aktionsbündnis gegen Aids und Stop-TB Forum

Tuberkulosebekämpfung und die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland: Gesundheitssysteme stärken, Vorurteile entkräften

PRESSEMITTEILUNG

Tuberkulosebekämpfung und die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland: Gesundheitssysteme stärken, Vorurteile entkräften

Berlin, 26. November 2015. Die momentane medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland zeigt die Notwendigkeit einer schnellen Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGDs) — insbesondere die Sicherung einer adäquaten Diagnose und Behandlung von TuberkulosepatientInnen. Die Art der Berichterstattung zu Verdachtsfällen bei Flüchtlingen zeigt zudem, dass eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit notwendig ist, um eine Stigmatisierung von Betroffenen zu vermeiden. Wie das Robert Koch Institut hervorhebt, stellen Flüchtlinge eine gefährdete Gruppe dar und nicht eine, von der eine Gefahr ausgeht.

„Gesundheit ist ein Menschenrecht. Deutschland kann und muss für eine angemessene medizinische Versorgung von Flüchtlingen einstehen. Der Kampf gegen die Tuberkulose, eine der ältesten bekannten Krankheiten der Menschheit, zeigt exemplarisch, dass dies Ressourcen statt Ressentiments erfordert. Gerade Deutschland, die Heimat des Tuberkulose-Forschungspioniers Robert Koch, sollte hier eine Vorbildrolle einnehmen“, bringt es Burkhard Kömm, Geschäftsführer der Stop-TB Forum-Mitgliedsorganisation DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, auf den Punkt.

Das Stop TB Forum, ein Zusammenschluss humanitärer und entwicklungspolitischer Nichtregierungs-organisationen aus Deutschland, mit dem Ziel der weltweiten TB-Bekämpfung, sieht dafür die deutsche Politik national und international in der Pflicht. Für eine nachhaltige TB-Kontrolle fordert das Netzwerk daher:

1. Stärkung der nationalen Versorgungsstrukturen in Form des ÖGDs

Der ÖGD befindet sich seit einigen Monaten unter verstärkter Beanspruchung. „Exemplarisch dafür steht das Ringen um die Gewährleistung einer angemessenen Diagnostik und Behandlung von Tuberkuloseinfektionen. Beides sind wichtige Gradmesser für die Leistungsfähigkeit des ÖGDs und für den politischen Willen, diese zu sichern,“ so Dr. Martin Priwitzer, Arzt im öffentlichen Gesundheitsdienst und Präsidiumsmitglied des DZK. „Neben der medizinischen Untersuchung und Behandlung von Flüchtlingen bildet die angemessene Unterbringung im Fall der TB Schlüssel zur erfolgreichen Vorsorge. In diesem Zusammenhang ist die besondere Rolle des ÖGDs für die aktive Fallsuche hervorzuheben. Wir brauchen aber eine schnelle Aufstockung finanzieller und personeller Ressourcen, um diese Funktion weiterhin effektiv wahrnehmen zu können.“

2. Umfangreicheres internationales Engagements Deutschlands gegen die Tuberkulose

Die deutsche Politik hat zuletzt im Rahmen der G7-Präsidentschaft mehrfach bekräftigt, dass die Stärkung von Gesundheitssystemen eines ihrer zentrales Anliegen darstellt. Dieses Versprechen ist nicht nur national, sondern vor allem auch international einzulösen. „Ursachenbekämpfung wird hierfür unerlässlich sein“, stellt Max Klein, Koordinator des Stop-TB Forums, fest „ein nachhaltiger Ausbau von Gesundheitssystemen sowie die Verbesserung von Lebensbedingungen sind elementar, insbesondere in Ländern mit höherem TB-Vorkommen. In diesem Zusammenhang kommt auch der angemessenen Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) von deutscher Seite eine zentrale Rolle zu.“

3. Vorgehen gegen die dramatischen Forschungslücken bei Tuberkulose

„Entsprechende Maßnahmen müssen zudem flankiert werden durch größeres Engagement im Bereich Forschung und Entwicklung. Weiterhin wird die Bekämpfung der Krankheit international und auch in Deutschland durch massive Forschungslücken erschwert“, so Hedwig Diekwisch von der BUKO Pharma-Kampagne. „Nach wie vor existiert keine adäquate Impfung gegen Tuberkulose. Zudem bedeutet die Behandlung resistenter TB aufgrund veralteter Antibiotika mehrjährige Strapazen für PatientInnen.“

Kontakt: Max Klein (Koordinator Stop-TB Forum), @: max.klein@stop-tb.de

Zurück oder in die Zukunft?: Das 4. Treffen des Regional Collaborating Committee on Tuberculosis Control and Care (RCC-TB)

Kopenhagen stellte am 17.11.2015 bereits zum vierten Male den Treffpunkt für die jährliche Zusammenkunft des Regional Collaborating Committee on Tuberculosis Control and Care (RCC-TB) der WHO dar. Gerade für die WHO Region Europa sind zuletzt einige zukunftsträchtige Prozesse angestoßen worden, speziell wies Martin van den Boom (WHO) auf die Annahme des TB Action Plans im September in Vilnius hin (siehe http://bit.ly/1kKxpxM). Gleichzeitig wird die spürbare Verschiebung innerhalb vieler Geber-Policies weg von Middle Income Countries besonders für Osteuropa wirkmächtig sein. Diese Entwicklung weckt gerade bei vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren die Sorge vor einem baldigen Rückfall und der Erosion erzielter Erfolge. Eine Reaktion darauf war u.a. die im September in Tiflis vom Eurasian Harm Reduction Network organisierte Konferenz zur zukünftigen Mobilisierung nationaler Ressourcen (siehe http://bit.ly/1MOU3vN). Foto_RCC-TB

Ein kritischer Rückblick auf das Riga-Treffen der Östlichen Partnerschaft förderte eine Vielzahl positiver Aspekte zutage aber auch Veränderungspotenzial. In regen Diskussionen wurde adressiert, wie die gewonnene Dynamik in den kommenden Jahren genutzt werden könnte. Dabei standen vor allem die positiven Signale der slowakischen Ratspräsidentschaft 2016 im Vordergrund.
Besprochen wurde zudem die Arbeit der regionalen Initiative TB-REP. Ein Kernstück ist dabei das Vorantreiben des Wechsels weg von vertikalen Krankenhaus-zentrierten Behandlungsstrukturen sowie die Sicherung realistischer Finanzpläne und eine Stärkung der Advocacy-Arbeit. Dargelegt wurden zudem die Aktivitäten der EECA-Plattform die sich vor allem den Bereichen Gender, Menschenrechte und Community-Aspekten widmet (siehe http://bit.ly/1ShLaOS). Von Seiten der European AIDS Treatment Group wurden die jüngsten Versuche zur Etablierung einer kohärenten EU-Agenda bei der Bekämpfung von HIV/Aids, TB und Hepatitis C kritisch beleuchtet.
Für einen besseren Austausch von Good Practices stellt RCC-TB zukünftig eine neue Plattform zur Verfügung (siehe http://bit.ly/1HcBu7N).

© Foto: Max Klein

Wachsende Ambitionen, schwindende Budgets – Die Global Plan to Stop TB & Eastern Europe & Central Asia Consultation on sustainable Impact

In einer zweitägigen Konsultation mit Fokus auf der EECA (Eastern Europe and Central Asia) debattierten die Stop TB Partnership und der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) am 23./24.07.2015 in Istanbul neue Strategien zu Inhalten und Finanzierung der regionalen Bekämpfung von TB und HIV/Aids. Charakteristisch für die TB-Situation in der EECA sind unter anderem die hohen Raten resistenter TB-Varianten sowie eine enge Verschränkung mit Menschenrechts-fragen durch die sensible Stellung der Key Populations, wie etwa Drogen-nutzerInnen. Wiederholt wurde in den Diskussionen deutlich, dass die Lage in mehreren Ländern, darunter vor allem in Russland und der Ukraine, vor dem Hintergrund interner Spannungen momentan starken Anlass zur Sorge bietet. Dies spiegelte sich auch wieder in einer gemeinsamen Erklärung der TeilnehmerInnen zu den jüngsten Entwicklungen im Donbass (siehe http://bit.ly/1Jk6i5y).

Eröffnet wurde der erste Sitzungstag im Zeichen des neuen Global Plan, der von 2016-2020 die ersten Jahre der WHO End TB-Strategie begleiten soll (für den Volltext, siehe http://www.stoptb.org/global/plan/plan2/). Nach den Treffen in Addis Abbeba und Bangok wurde dafür in Istanbul zum dritten Mal die Zivilgesellschaft adressiert. Das letzte Meeting findet am 02.09.2015 in Buenos Aires statt, der offene Online-Prozess läuft bis 10.08.2015. Von Seiten der Stop TB Partnership wurde betont, dass der Plan einen Paradigmenwechsel verdeutlichen soll. Ziel einer nun längerfristigen Vision ist das ambitionierte Ziel, nicht mehr lediglich eine „passive“ Kontrolle von TB zu bewirken, sondern das „aktive“ Fordern einer Beendigung der globalen Seuche zu erreichen. Als zentrale Leitlinie gilt dabei das so genannte 90-(90)-90-Konzept. Von NGO-VertreterInnen wurde in diesem Kontext bei den Arbeitsgruppen vor allem wiederholt die Notwendigkeit von Community Systems Strengthening sowie die zentrale Rolle der Betonung von Menschenrechten hervorgehoben.

Kontroverse Debatten entsponnen sich am zweiten Tag der Veranstaltung bezüglich der Planungen des GFATM, das finanzielle Engagement in der Region zu vermindern und stattdessen v.a. verstärkt auf staatliche Ressourcen vor Ort zu setzen (für den Volltext, siehe http://bit.ly/1D3a8Py). Während führende Repräsentanten des Fonds erklärten, dass wichtige Geber nicht mehr bereit seien, umfangreiche Hilfen für Länder bereitzustellen, die teils als Middle-Income Countries eingestuft werden, wiesen NGO-Vertreter auf die starke Abhängigkeit von externer Förderung vieler Projekte hin. Dies beträfe auch grundlegende Instrumente wie Medikamente  sowie Diagnostik über den GeneXpert. Es sei daher äußerst fraglich, ob die abzusehende Lücke wirklich anderweitig geschlossen würde. Einigkeit herrschte bei der Einschätzung, dass die kommenden Schritte behutsam und unter intensivem Monitoring erfolgen sollten. Ansonsten bestehe eine akute Gefahr, dass gerade bei MDR-TB und XDR-TB die Zunahme der Fallzahlen weiter beschleunigt werde.

© Fotos: Max Klein

TB als Herausforderung für Europa: Die 1. Ministerkonferenz der Östlichen Partnerschaft zu Tuberkulose und multiresistenter Tuberkulose

2015-03-31 14.49.58Die lettische Nationalbibliothek in Riga (Abb. 1) bildete im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft des Landes vom 30.-31.04. die Bühne der 1. Ministerkonferenz der Östlichen Partnerschaft zu Tuberkulose und multiresistenter Tuberkulose. Unter den Teilnehmern war auch das Stop-TB Forum. Ein Ergebnis der Veranstaltung ist die Riga Declaration (Volltext unter http://bit.ly/1aftovs).

Vier inhaltliche Schwerpunkte wurden auf den Panels diskutiert. Den Anfang bildete nach der offiziellen Eröffnung der Bereich Forschung & Entwicklung. Dabei wurden in der Debatte viele kritische Töne zum Status Quo des internationalen Forschungssystems laut. So verwies Dr. Manica Balasegaram (Executive Director of the MSF Access Campaign) auf die Notwendigkeit neuer R&D-Anreizmechanismen, zumal angesichts der weiterhin sehr geringen Zahl neuer TB-Präparate sowie der schlechten Datenlage zu den Anwendungsmöglichkeiten dieser Innovationen (ein vollständiges Video zu Panel I findet sich unter http://bit.ly/1afKYzs).

Im zweiten Absschnitt des Tages wurde das Problem von TB bei besonders gefährdeten Gruppen adressiert. Prof. Dr. Michel Kazatchkine (UN Secretary-General’s Special Envoy for AIDS in Eastern Europe and Central Asia) hob in seiner Keynote vor allem drei PatientInnen-Gruppen hervor: Gefängnisinsassen, DrogennutzerInnen und MigrantInnen. Dabei wandte er sich gegen die negativen Folgen repressiver Drogenpolitik und plädierte für europaweite „cultural sensitive health services“. Die Diskutanten erwähnten mehrfach, dass Tuberkulose als eine „soziale Krankheit“ ganzheitlich wahrgenommen und entsprechend mehrdimensional politisch angegangen werden muss (ein vollständiges Video zu Panel II findet sich unter https://www.youtube.com/watch?v=SolZL2FdVvM).

2015-03-31 09.06.52Der zweite Tag wurde durch den lettischen Gesundheitsminister Dr. Guntis Belēvičs eröffnet (siehe Abb. 2), welcher die Maßnahmen und Ergebnisse der TB-Bekämpfungsstrategie Lettlands darlegte. Dr. Hans Kluge (Director of the Division of Health Systems and Public Health, WHO Regional Office for Europe) verwies anknüpfend darauf, dass ungeachtet des drängenden Problems massiver Finanzierungslücken für Anti TB-Programme in Europa auch kritisch betrachtet werden müsse, wie effektiv die nationalen Gesundheitssysteme ihre Ressourcen einsetzten. 2015-03-31 10.48.42Dem dritten Panel zu Fragen der Finanzierung einer wirklich nachhaltigen Reaktion auf die TB-Epidemie (ein vollständiges Video findet sich unter http://bit.ly/1DGlDMo) folgte ein gemeinsames Statement zivilgesellschaftlicher Organisationen (siehe Abb. 3, Volltext unter http://bit.ly/1afN16q). Der Aufruf zu ernstgemeinter Leadership wurde flankiert von einer Kritik an dem Fernbleiben politischer Führungspersonen, etwa des EU-Gesundheitskommissars Vytenis Andriukaitis.

Im finalen, vierten Panel zu regionalen Ansätzen im Kampf gegen TB/MDR-TB wurde immer wieder deutlich, wie verschiedene EU-Regelungen dies grenzübergreifende Gesundheitsversorgung auch bei TB noch erschweren. Gleichzeitig herrschte Einigkeit, dass die frühe Diagnose der Krankheit gerade vor dem Hintergrund verstärkter Bewegungsfreiheit immer elementarer wird.

Angesichts der vielfältigen Themen und Probleme die in den zwei Konferenztagen bezüglich TB/MDR-TB aufgeworfen und beleuchtet wurden, begrüßten die Teilnehmer umso mehr, dass Repräsentanten der Slowakei offiziell erklärten, das Land würde im Zuge seiner EU-Ratspräsidentschaft 2016 den Fokus auf TB beibehalten und eine entsprechende Folgekonferenz ausrichten.

© Fotos: Max Klein

Welt-Tuberkulose-Tag 2015: Stimmen aus der deutschen Politik

Der Welt-Tuberkulose-Tag 2015 findet auch Widerhall in der deutschen Politik. Gefordert werden u.a. größeres Engagement gegen TB, besserer Zugang zu medizinischer Versorgung, sowohl national als auch international, und neue Impulse im Bereich Forschung und Entwicklung. Eine Auswahl von Stimmen zum Thema:

Op-Ed – Dr. Georg Kippels (MdB CDU/CSU) und Nick Herbert (MP UK & stellvertretender Vorsitzender der APPG TB UK)

Es gibt Krisen, die so schrecklich und akut sind, dass sie unverzüglich unsere Aufmerksamkeit erfordern: Der Ausbruch einer tödlichen Krankheit, die eine ganze Region ins Chaos stürzt, oder eine Naturkatastrophe, die Zehntausende Menschen verzweifelt und mittellos zurücklässt. Und es gibt Krisen, an die sich die Welt längst gewöhnt hat. Zu letzteren gehört tragischerweise die Tuberkulose-Epidemie, der weltweit noch immer 1,5 Millionen Menschen jährlich zum Opfer fallen.

In der westlichen Welt kannte man Tuberkulose einst nur zu gut. Tuberkulose war allgegenwärtig und um 1900 verantwortlich für ein Viertel der Todesfälle in Europa und den Vereinigten Staaten. 1915 starben knapp 100.000 Menschen an ihr in Deutschland und sie forderte so bekannte Opfer wie Friedrich Schiller oder Franz Kafka. Mit der Entdeckung des Tuberkuloseerregers durch Robert Koch im Jahre 1882 wurde der Schrecken greifbar und alles an seine Bekämpfung gesetzt.

Heute dagegen ist TB eine vergessene Krankheit. Zu viele Menschen im Westen glauben, die Schlacht gegen TB sei bereits gewonnen, aber in großen Teilen der Welt tobt sie auch heute noch. Ein Impfstoff, von dessen Wirksamkeit man weithin überzeugt war, bietet tatsächlich nur geringen Schutz. Zwischenzeitlich hat sich die Krankheit zu einer neuen Bedrohung entwickelt. Das goldene Zeitalter der Antibiotika ist vorbei. Es haben sich arzneimittelresistente Erregerstämme der Krankheit entwickelt, deren Behandlung praktisch unmöglich ist. Nur die Hälfte aller Patienten mit einer medikamentenresistenten TB-Erkrankung kann heute erfolgreich behandelt werden.

Vor 22 Jahren erklärte die WHO TB zu einer „globalen Gesundheitskrise“, aber die Welt hat daraufhin nicht ausreichend Kräfte mobilisiert. Seither sind fast 30 Millionen Menschen an der Krankheit gestorben. Es hat zwar Fortschritte gegeben, aber beim derzeitigen Tempo der Abnahme der Zahl der Erkrankungen wird TB noch für weitere zweihundert Jahre eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellen.

Aufrufe, den weltweiten Kampf gegen TB zu intensivieren, wurden in erster Linie von den BRICS-Staaten und insbesondere vom engagierten Gesundheitsminister Südafrikas Dr. Aaron Motsoaledi gestartet. Als eines der Länder mit der höchsten Zahl von TB-Erkrankungen hat Südafrika weltweit eine der größten Diagnose- und Behandlungskampagnen angestoßen und damit gezeigt, was getan werden kann. Die aktuelle Herausforderung besteht darin, diesen Erfolg weltweit zu wiederholen.

Wir sind der Auffassung, dass bei dieser Aufgabe den Parlamentariern eine entscheidende Rolle zukommt. Deshalb sind wir beide dem Global TB Caucus beigetreten. Dieses Netzwerk von Parlamentariern aus der ganzen Welt traf sich erstmals Ende vergangenen Jahres in Barcelona. Dort wurde eine Erklärung verabschiedet, die sich für eine Welt ohne Tuberkulose einsetzt.

Der Global TB Caucus wurde zu einer Zeit ins Leben gerufen, in der die Welt vor der Entscheidung steht, entweder die gängigen Behandlungsmaßnahmen schnellstens auszuweiten und in die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zu investieren – ein Weg, der nach Einschätzung der WHO innerhalb einer Generation zur Ausrottung der Tuberkulose führen könnte – oder weiterzumachen wie bisher und zuzuschauen, wie in den nächsten Jahren Millionen von Menschen sterben, und zu riskieren, dass Arzneimittelresistenzen explosionsartig zunehmen und gegebenenfalls jeglichen Fortschritt zunichtemachen.

Die heute veröffentlichten Zahlen unterstreichen das Ausmaß der Katastrophe, zu der es kommen könnte, wenn der Ausbreitung der arzneimittelresistenten Tuberkulose nicht entschieden entgegengetreten wird. Die Folgen für die Wirtschaft könnten sich auf etliche Billionen Dollar belaufen. Die Krankheit könnte Dutzende Millionen Menschen das Leben kosten und darüber hinaus die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hunderten Millionen Menschen bedrohen. Tuberkulose, die Krankheit, die in der Geschichte der Menschheit mehr Opfer gefordert hat als jede andere Krankheit, ist alles andere als ein Problem der Vergangenheit. Sie ist eine Bedrohung in Gegenwart und Zukunft. Deshalb müssen wir jetzt handeln.

Pressemitteilung – SPD-Bundestagsfraktion

Zum Welttuberkulosetag am 24. März 2015 muss daran erinnert werden, dass die meisten Opfer in Afrika, Süd-Ost-Asien und im Westpazifik zu finden sind. Ein freier und bezahlbarer Zugang zu Diagnostik, Impfstoffen und Medikamenten muss erreicht werden.

„Die Tuberkulose ist nach wie vor eine gefährliche und hochansteckende Krankheit. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten 2013 weltweit neun Millionen Menschen an Tuberkulose, davon verstarben 1,5 Millionen. Damit stellt die Tuberkulose unter den behandelbaren Krankheiten die häufigste mit tödlichem Ausgang dar.

Die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe spielt im Kampf gegen die Tuberkulose eine tragende Rolle. Die Behandlung ist sehr aufwendig und gestaltet sich zunehmend schwieriger. Vor allem das vermehrte Auftreten multiresistenter Formen in Deutschland und in Europa stellt uns vor große Herausforderungen.

Besonders betroffen von der Infektionskrankheit sind die Menschen in Südostasien, der Westpazifikregion und Afrika. In Indien und China infizieren sich jedes Jahr drei Millionen Menschen neu mit Tuberkulose. Bedingt durch die hohe Rate an HIV/Aids-Kranken mit besonders geschwächtem Immunsystem findet Tuberkulose dort zahlreiche Opfer.

In Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Zugang zu Diagnostik und Therapie nicht ausreichend gewährleistet. Die WHO geht davon aus, dass jährlich drei Millionen Tuberkulose-Patienten unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben und ihre Erkrankung nicht diagnostiziert bzw. nicht oder nur ungenügend therapiert wird.

Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung und die Eindämmung der Erkrankung ist und bleibt ein freier Zugang zu bezahlbaren Medikamenten und die Entwicklung finanzierbarer Impfstoffe.“

Pressemitteilung – Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Die Bundesregierung muss eine kohärente Strategie zur Reduzierung der Tuberkulose vorlegen – sowohl für die Forschung als auch in der Gesundheits-, Sozial- und Entwicklungspolitik. Diese ist trotz großer Ankündigungen zur G7-Präsidentschaft leider bisher immer noch nicht zu erkennen. Weiteres Abwarten dient nur den multiresistenten Erregern.

Die Tuberkulose ist weltweit, aber auch in Deutschland, ein Problem. Es entwickeln sich immer mehr resistente Formen. Die Forschung für neue Medikamente ist nur unzureichend. Auch in Deutschland mangelt es an einer ausreichenden Infrastruktur, um die am meisten betroffenen Personengruppen durch Prävention und Behandlung zu erreichen: Schon der Öffentliche Gesundheitsdienst ist oft nicht ausreichend ausgestattet. Gefordert ist daher die Abstimmung mit internationalen Aktivitäten, aber auch eine nationale Strategie.

Besorgniserregend ist vor allem die steigende Rate der multiresistenten Tuberkulosebakterien – auch in Deutschland. Wie aus dem Tuberkulosebericht des Robert-Koch-Instituts deutlich wird, sind auch hier vor allem sozial benachteiligte Gruppen gefährdet. Wegen Mobilität und Zuwanderung bleibt diese Krankheit eine (sozial)medizinische, gesellschaftliche und globale Herausforderung, der wir uns endlich entschieden stellen müssen. Hier ist von der deutschen G7-Präsidentschaft ein deutliches Zeichen erforderlich.

Weltweit werden immer noch zu viele Tuberkulose-Fälle nicht diagnostiziert oder nicht angemessen behandelt. Letzteres führt zur Ausbreitung der multiresistenten Tuberkulose. Die Welt-Gesundheitsorganisation sieht darin eine ernste Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Die Behandlung der multiresistenten TB 10 ist bis 15 Mal teurer. Es fehlt schlicht an wirksamen, gut verträglichen Medikamenten. Umso erstaunlicher sind unter diesem Aspekt die weltweit sinkenden Forschungsausgaben zur Bekämpfung der TB.