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Welt-Tuberkulose-Tag 2015: Mehr Menschen erreichen, behandeln, heilen

Am 24. März 1882 erklärte Robert Koch in Berlin, den Erreger der Tuberkulose gefunden zu haben – das Mycobacterium tuberculosis. Mittlerweile markiert das Datum jährlich offiziell den Welt-Tuberkulose-Tag. Seit jenem medizinischen Meilenstein gab es bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung der weltweit verbreiteten Krankheit. Dennoch ist die früher oft „Schwindsucht“ genannte Infektion weiter ein aktuelles, drängendes Gesundheitsproblem – auch in Deutschland. Um das Ziel der kürzlich angelaufenen „End TB-Strategie“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, sprich eine globale Reduktion der Todesfälle durch TB um 95 Prozent bis 2035 (im Vergleich zu 2015), bedarf es daher massiver Anstrengungen.

Beispielhaft für die nach wie vor dramatische Lage sind die „3 missing million“: 3 Millionen TB-erkrankte Menschen erhalten jährlich keine adäquate Diagnose oder Behandlung. Um sie dreht sich am Welt-Tuberkulose-Tag 2015 die internationale Kampagne der Stop TB Partnership, in der auch das Stop-TB Forum Mitglied ist.

Viele dieser 3 Millionen Personen laufen Gefahr, im Zuge fehlender oder mangelhafter Behandlung zu sterben sowie andere Menschen ebenfalls anzustecken. Betroffen sind vor allem besonders verwundbare Bevölkerungsgruppen, beispielsweise Kinder und Frauen, Flüchtlinge und Menschen mit HIV/Aids.

Besonders dramatisch ist diese Situation vor dem Hintergrund der Ausbreitung resistenter Formen von Tuberkulose. 3/4 aller weltweiten Fälle mit resistenten TB-Varianten werden nicht diagnostiziert und trotz 500.000 neuer Fälle von multiresistenter TB im vergangenen Jahr starteten lediglich 97.000 Menschen eine Behandlung gegen die tödliche Krankheit.

Im Kampf gegen eine der ältesten bekannten Krankheiten der Menschheit bedarf es drigend neuer medizinischer Hilfsmittel, wie etwa eines neuen Impfstoffes, aber auch innovativer Ansätze um Gesundheitssysteme zu stärken. Dafür muss jedoch die mehrere Milliarden schwere Finanzierungslücke geschlossen werden, die Behandlungsprogramme und Forschung & Entwicklung zu TB jährlich nachhaltig einschränkt. Nur so können marginalisierte Bevölkerungsteile erreicht werden. Auch müssen die vielfältigen Zugangshürden zu medizinischer Versorgung abgebaut werden, wobei die Senkung von Preisen eine zentrale Rolle spielt.

Gemeinsam ist es möglich, die Hoffnung auf eine tuberkulosefreie Welt nicht zu einer bloßen Utopie werden zu lassen. 3 Millionen Menschenleben jährlich hängen davon ab, medizinisch erreicht, gegen TB behandelt und schließlich geheilt zu werden. Dazu hat jeder einen Beitrag zu leisten – am 24. März aber eben auch an jedem anderen Tag.

Aktuelle Materialien der Mitgliederorganisationen des Stop-TB Forums

Ärzte ohne Grenzen e.V.: https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/welt-tuberkulose-tag-2015

BUKO Pharma-Kampagne: http://www.bukopharma.de/index.php?page=schulmaterialien

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.: http://www.dahw.de/themenseiten/welt-tuberkulose-tag4

Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose: http://www.pneumologie.de/dzk/publikationen.html

Neue Perspektiven für die politische Arbeit gegen Tuberkulose

Berlin, 05.03.2015 – „Die „weiße Pest“ als globale Herausforderung: Neue Perspektiven für die politische Arbeit gegen Tuberkulose“, unter diesem Titel lud das Stop-TB Forum am 5. März Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Zivilgesellschaft zu einem Parlamentarischen Frühstück ein. Mit großem Interesse wurde diese Möglichkeit zur Information und zum direkten Austausch wahrgenommen. „Tuberkulose ist ein klassisches Querschnittsthema und eine Krankheit, die zwar alt aber weiter äußerst aktuell ist“, so der Koordinator des Stop-TB Forums Max Klein, „wir hoffen, hiermit einen Beitrag zu noch größerer politischer Initiative leisten zu können“.

Nick Herbert speakingWelche zentrale Rolle gerade ParlamentarierInnen im weltweiten Kampf gegen TB einnehmen, beschrieb Nick Herbert in seinem Vortrag (Foto: Lena Theunissen). Mr. Herbert ist Mitglied des britischen Parlaments, Co-Vorsitzender der APPG TB (All-Party Parliamentary Group on Global Tuberculosis) und Mitinitiator des internationalen Global TB Caucus. In seinen Ausführungen machte er deutlich, welche vielfältigen Hürden den Fortschritt bei der TB-Bekämpfung hemmen, von altbekannten Forschungslücken, bis hin zu schwachen nationalen Gesundheitssystem und gering ausgeprägtem Problembewusstsein. Er forderte die deutsche Politik auf, sich noch stärker des Themas anzunehmen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der wichtigen globalen Position des Landes, vor allem auch in den Bereichen Wirtschaft und Forschung. Zudem warb er unter den anwesenden ParlamentarierInnen um Unterstützung für die Barcelona Erklärung des Global TB Caucus.

Vortrag Dr. HerzmannTrotz im internationalen Vergleich eher geringen Fallzahlen  hat die Krankheit auch eine wichtige direkte Bedeutung für Deutschland. Dies verdeutlichte die Präsentation Dr. Christian Herzmanns vom Forschungszentrum Borstel (Foto: Lena Theunissen). Besonders der jüngste, drastische Anstieg von Fällen mit resistenten TB-Varianten bildet Anlass zur Sorge und zum Nachdenken über notwendige strukturelle Verbesserungen. Wie Dr. Herzmann ausführte, sind die Behandlungskosten bei resistenter TB auch in Deutschland horrend und die Heilungschancen deutlich niedriger als bei einer normalen. Er plädierte für besser geregelte Zuständigkeiten der Ämter und medizinischen Einrichtungen, wies aber auch auf die langfristigen Vorteile der Stärkung von TB-Forschung hin sowie die Notwendigkeit einer problemorientiert informierten Öffentlichkeit.

Die Tuberkulose (TB) stellt weiter eines der weltweit massivsten Gesundheitsprobleme dar. Allein im Jahr 2013 forderte sie 1,5 Millionen Todesopfer. Als armutsbedingte und vernachlässigte Krankheit mangelt es nach wie vor an neuen, bezahlbaren Diagnose- und Behandlungsoptionen sowie Impfstoffen. Umso dramatischer gestaltet sich die Ausbreitung resistenter TB-Varianten, etwa in Indien, Zentralasien oder Konfliktgebieten wie Syrien und der Ukraine.

Global TB Summit: Parlamentarier im internationalen Schulterschluss gegen Tuberkulose

Barcelona, 26./27.10.2014

Zum ersten Mal trafen sich vergangene Woche im Rahmen des Global TB Summit Parlamentarier von fünf Kontinenten, um gemeinsam für mehr politisches Engagement bei der Bekämpfung von Tuberkulose einzutreten. Ihre Ziele und Forderungen wurden in einer Erklärung, der Barcelona Declaration, festgehalten und für die zukünftige Zusammenarbeit ein Global TB Caucus ins Leben gerufen. Die Zusammenkunft fand im Vorfeld der 45. Union Conference on Lung Health statt und wurde mitorganisiert von der UK All Party Parliamentary Group on Global TB (APPG TB). Unter den Teilnehmern war auch das Stop-TB Forum. Ein Ziel der Initiative ist es, Abgeordnete von Parlamenten weltweit besser in die politische Arbeit gegen Tuberkulose einzubeziehen und dabei zu einer treibenden Kraft zu machen. Wie Nick Herbert, Mitglied des britischen House of Commons und Mitveranstalter des Global TB Summit, bei der offiziellen Vorstellung der Erklärung betonte, ist der Kampf gegen die Krankheit nur in internationaler Kooperation auf allen Ebenen zu gewinnen.

Die Barcelona Declaration wurde bereits von politischen Entscheidungsträgern aus u.a. Brasilien, Indien, Kanada und Südafrika unterschrieben. Sie kritisiert die momentanen Anstrengungen gegen Tuberkulose als ungenügend und stellt fest, dass diese nicht zu einem schnellen und zugleich nachhaltigen Erfolg bei der Bekämpfung der Krankheit führten. Gefordert wird in der Erklärung neben einer Ausweitung von Diagnose- und Behandlungsprogrammen auch ein Neuansatz im Bereich Forschung und Entwicklung. Bessere Präparate müssten entwickelt werden aber anschließend auch verfügbar und erschwinglich sein. Die Arbeit des Global TB Caucus soll nun diese Ziele vorantreiben. Seine Einrichtung sei ein wichtiger Schritt, um die notwendige Debatte über Tuberkulose stärker in Parlamente und Regierungen zu tragen, so Dr. Lucica Ditiu, Executive Secretary der Stop TB Partnership. Das Sekretariat wird bei der Internationalen Union gegen Tuberkulose und Lungenkrankheit angesiedelt, der nächste Summit soll kommendes Jahr in Kapstadt stattfinden.

Link: Der vollständige Text der Barcelona Declaration findet sich unter http://www.appg-tb.org.uk/news/news-in-14/208-barcelona-declaration.html

Das Stop-TB Forum sucht: Eine/n Projektkoordinator/in

Einführung:

Das Stop-TB Forum ist ein Netzwerk deutscher NGOs, die sich für die globale Bekämpfung von und die verstärkte Forschung an der Tuberkulose stark machen. In dem Forum sind unter anderem vertreten Ärzte ohne Grenzen, action medeor, BUKO Pharma-Kampagne, Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), Koch-Metschnikow-Forum, Misereor und die Stiftung Weltbevölkerung. Das Forum wird zudem von Brot für die Welt unterstützt. Das Stop-TB Forum wurde im Juni 2008 gegründet und setzt sich dafür ein, dass Tuberkulose (TB) als öffentliches Gesundheitsproblem erkannt und bekämpft wird. Dabei wendet sich das Netzwerk an politische Entscheidungsträger/innen, Vertreter/innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft und an die breite Öffentlichkeit.
Für das Stop-TB Forum suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n Projektkoordinator/in. Die/der Projektkoordinator/in vernetzt die Mitgliedsorganisationen des Forums durch die Koordinierung ihrer Aktivitäten und Informationsaustausch und plant und organisiert gemeinsame Aktivitäten des Stop-TB Forums.

Die Aufgaben die/der Projektkoordinator/in sind:

  • Koordinierung von Treffen und Telefonkonferenzen der Mitgliedsorganisationen, inklusive Vor- und Nachbereitung der Sitzungen
  • Vertretung des Stop-TB Forums auf externen Veranstaltungen
  • Förderung gemeinsamer Themenplatzierung in der Öffentlichkeit, insbesondere auch durch gemeinsame Pressearbeit des Forums mit den beteiligten Organisationen
  • Planung und Durchführung von Aktionen und Veranstaltungen
  • Aufbau und Kontaktpflege zu Stakeholdern und Entscheidungsträger/innen
  • Recherche und Aufbereitung von relevanten Hintergründen und Informationen durch Recherche sowie das Verfassen von Papieren
  • Die Pflege der Internetseite und der Social Media-Kanäle des Forums
  • Fundraising
  • Administrative Aufgaben

Stellenprofil:

Gesucht wird eine Person mit Bewusstsein für die katastrophale Situation der 12 Millionen Tuberkulosekranken weltweit und insbesondere in ärmeren Ländern, oder eine Nichtregierungs-organisation, die zu diesem Thema arbeitet. Durch die Besetzung der Stelle des/r Projektkoordinators/in soll ein/e Ansprechpartner/in zur Verfügung stehen, die das Forum sowohl extern (auf Veranstaltungen, gegenüber der Öffentlichkeit etc.) als auch intern (gegenüber den Mitgliedsorganisationen) vertritt.

Wir suchen eine Person, die gerne mit anderen Menschen zusammenarbeitet und durch hervorragende Kommunikationsfähigkeiten dazu in der Lage ist, unterschiedliche Organisationen und Menschen zu koordinieren, Interessen zu identifizieren und Kompromisse auszuarbeiten. Dazu gehören neben einer offenen Persönlichkeit und Geduld auch sehr gute Sprachkenntnisse (Vorrausetzung: Deutsch, Englisch; wünschenswert: Russisch) sowie ausgeprägte Organisationsfähigkeiten. Wir suchen Menschen, die diese Aufgaben selbständig und eigenverantwortlich übernehmen können und die Interesse an politischen Prozessen, Kampagnenarbeit und Medizin bzw. öffentlicher Gesundheit haben.

Von Vorteil ist ein Studium oder Erfahrungen in den Bereichen Politik, Verwaltung, Kampagne, PR, Veranstaltungsorganisation, Medizin oder Pharmazie. Im Zweifelsfall sind jedoch Organisations- und Kommunikationstalent entscheidender als Fachwissen.

Unabdingbar sind zudem gute Computerkenntnisse, inklusive Open-Source-Software wie WordPress.

Idealerweise soll die/der Projektkoordinator/in in Berlin ansässig sein. Falls notwendig kann in Absprache mit den Mitgliedsorganisationen ein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.

Wir bieten:

Eine spannende Tätigkeit mit viel Eigenverantwortlichkeit und flexiblen Arbeitszeiten.

Vertragsart:                         Honorarvertrag

Beginn:                                Sofort

Stellenumfang:                   15 h/Woche

Projektlaufzeit:                   1 Jahr

Honorar:                              15.000 EUR                                           

Ausschreibungsschluss:   07.09.2014

Bei Rückfragen kontaktieren Sie bitte Maja Volland, derzeitige Koordinatorin des Stop-TB Forums per E-Mail: Maja.volland@stop-tb.de oder telefonisch unter 030/700 130 192.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung (Lebenslauf und Anschreiben, sowie Zeugnisse – bitte in einer PDF-Datei und nicht größer als 5MB) bis zum 07.09.2014 ausschließlich per E-Mail an: info@stop-tb.de

 

Abgeordnete gegen Tuberkulose

Abgeordnete_gegen_TB_2014-03-20_beschriftetBerlin, 24.03.2014 – Anlässlich des Welt-Tuberkulose- Tages positio-nierten sich Abgeordnete des Deutschen Bundestages  aus allen
Fraktionen zusammen mit dem Stop-TB Forum gegen Tuberkulose (TB). Sie bekräftigen damit den Aufruf von Parlamentarier/innen aus den G8-Ländern an ihre Regierungen, ihr Engagement im Kampf gegen TB deutlich zu erhöhen. Der Aufruf  wird von insgesamt über 150 Abgeordneten unterstützt (siehe weiter unten).

Das Stop-TB Forum hatte zum Welt-Tuberkulose-Tag 2014 zu einem Frühstück in den Deutschen Bundestag geladen. Unter dem Titel „Tuberkulose – eine alte Krankheit auf dem Vormarsch“  führte Sebastian Dietrich (medizinischer Berater von Ärzte ohne  Grenzen) in die globalen Gesundheitsgefahren der TB ein. Zudem stellte Herr Prof. Dr. Roland Diel (Epidemiologe der Universität Kiel) eine Studie zu den Kosten der TB in der Europäischen Union (EU) vor. Das Thema stieß bei den Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf großes Interesse.

„Wir freuen uns, dass so viele Abgeordnete unserer Einladung und unserem Aufruf gefolgt sind und mit uns eine Forcierung des Kampfes gegen die Tuberkulose fordern“, sagt Maja Volland, Koordinatorin des Stop-TB Forums in Deutschland. „Tuberkulose wird in Deutschland und anderen Ländern der G8 unterschätzt. Wir rufen insbesondere die deutsche Regierung auf, Tuberkulose als globale Gesundheitsgefahr anzuerkennen und sich dem Apell der Parlamentarier anzunehmen.“

TB stellt ein global wachsendes Gesundheitsrisiko dar. Eine Gefahr sind vor allem die zunehmend resistenten Formen von TB-Erregern, bei denen die beiden wichtigsten TB-Medikamente nicht mehr wirksam sind. Ihre Behandlung ist nicht nur 10 bis 15 Mal so teuer wie die einer normalen TB. Sie ist auch für die Patienten mit sehr viel mehr Leid verbunden: Sie müssen über zwei Jahre lang täglich mehrere Medikamente einnehmen, die starke Nebenwirkungen verursachen, wie bspw. bleibende Blind- und Taubheit. Die Heilungschancen liegen bei nur knapp 60%.

Die multiresistente TB verbreitet sich mittlerweile weltweit, insbesondere auch in Europa. In der EU belaufen sich die jährlichen Kosten der TB auf insgesamt 5,9 Mrd. € (exakt 5.898.298.315 €). Diese Summe enthält sowohl die direkten und indirekten Behand-lungskosten sowie die infolge der Krankheit verlorenen Lebensjahre (DALYs). Mit der Summe liegen die Unkosten von TB deutlich über den Kosten zur Entwicklung eines neuen TB-Impfstoffes, die auf 560 Mio. € geschätzt werden.

Obwohl es an wirksamen und gut verträglichen Medikamenten mangelt, sind die weltweiten Forschungsausgaben für TB im letzten Jahr gesunken. Die Weltgesund-heitsorganisation (WHO) schätzt die Finanzierungslücke in der TB-Forschung bis 2015 auf 2 Mrd.US$. Zudem fehlen jährlich 1,6 Mrd.US$ für die Diagnose und Behandlung von TB in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen.

 

Stellungnahme von Abgeordneten aus den G8-Ländern zum Welt-TB-Tag

An diesem Welt-Tuberkulose-Tag 2014 rufen wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, als gewählte Abgeordnete aus den Ländern der Gruppe der Acht (G8), nach weltweiten Maßnahmen zur Verringerung der globalen Krankheitsrate von Tuberkulose (TB) und einer Forcierung von Fortschritten im Kampf gegen die globale Gesundheitsgefahr von TB.

Wir finden es inakzeptabel, dass auch dieses Jahr TB wieder 1,3 Millionen Menschenleben kosten wird. Obwohl die Krankheit behandel- und heilbar ist und eine Behandlungsdosis nicht mehr als 30 US Dollar kostet, erhalten zu viele Menschen keine bzw. keine adäquate Behandlung. Da TB über die Luft übertragen wird, kann sich die Krankheit leicht ausbreiten und jeden treffen. Am härtesten trifft sie jedoch benachteiligte und marginalisierte Menschen. Fast 75% aller an TB erkrankter Menschen sind Erwachsene in ihren produktivsten Lebensjahren. Durch TB verlieren somit Kinder ihre Eltern und Familien ihre Einkommensverdiener; TB ist eine Armutskrankheit.

Als globale Gemeinschaft können und müssen wir mehr tun. Dieses Jahr werden 3 Millionen Menschen – ein Drittel aller neuen TB-Fälle – von Gesundheitssystemen nicht erfasst werden. Einige werden nicht diagnostiziert, andere gar nicht oder nicht adäquat behandelt werden. Eine inadäquate oder unvollständige Behandlung führt nicht nur zu einer weiter bestehenden Ansteckungsgefahr, sie fördert auch das Auftreten von Resistenzen. Die sogenannte multiresistente TB (engl.: drug-resistent TB [DR-TB]) verbreitet sich mittlerweile weltweit. DR-TB stellt eine große Bürde für Gesundheitssysteme dar, da ihre Behandlung 10 bis 15 Mal so teuer ist wie die einer normalen TB. Zudem ist die Behandlung von DR-TB auch für die Patientinnen und Patienten mit sehr viel mehr Leid verbunden: Sie müssen über zwei Jahre lang täglich mehrere Medikamente einnehmen, die starke Nebenwirkungen verursachen, wie dauerhafte Übelkeit und bleibende Blind- und Taubheit. Kein Mensch sollte Medikamente einnehmen müssen, welche ihm eine permanente körperliche Behinderung zufügen können.

Es ist in unser aller Interesse, diese Krankheit zu besiegen. Als eine über die Luft übertragene Infektionskrankheit kann sich TB schnell über Landesgrenzen hinweg verbreiten; TB sowie DR-TB existieren auch in jedem von unseren Ländern. Wenn wir die Krankheit nicht verstärkt bekämpfen und DR-TB sich unvermindert ausbreiten kann, werden Patientinnen und Patienten, Familien und Gesundheitssysteme in der ganzen Welt die Kosten tragen.

Die Bemühungen während der letzten zwei Dekaden, in denen um die 20 Millionen an TB erkrankter Menschen geheilt wurden, können uns Hoffnung geben. Doch der derzeitige Fortschritt im Kampf gegen TB ist zu langsam; ohne vermehrte Anstrengungen wird TB bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts eine globale Gesundheitsgefahr bleiben. Dies ist inakzeptabel.

Deshalb rufen wir heute unsere eigene sowie Regierungen in der ganzen Welt auf, ihre Bemühungen im Kampf gegen TB zu verstärken und zusammenzuarbeiten. Unsere Gesellschaften sind globalisiert und somit muss auch unsere Antwort auf die Krankheit global sein.

Wenn wir jetzt vermehrt in die Entwicklung neuer Medikamente, Diagnostik und Impfungen investieren sowie in innovative Programme und Projekte zur Diagnose und Behandlung von Menschen mit TB, werden wir die Krankheit nicht erst in hundert oder zweihundert, sondern in zwanzig Jahren besiegen.

Wir haben somit die Wahl, die Krankheit entweder durch vermehrte Investitionen zu besiegen oder die Wiederkehr einer alten Krankheit zu riskieren. Lassen Sie uns als globale Gemeinschaft heute verpflichten, den Kampf gegen die verheerende Krankheit zu forcieren. Zusammen können wir die Generation sein, die TB besiegt.

1. Sabine Bätzing- Lichtenthäler, Deutschland

2. Dr. Karamba Diaby, Deutschland

3. Sabine Dittmar, Deutschland

4. Dr. Ute Finckh-Krämer, Deutschland

5. Frank Heinrich, Deutschland

6. Gabriela Heinrich, Deutschland

7. Rudolf Henke, Deutschland

8. Charles M. Huber, Deutschland

9. Anette Hübinger, Deutschland

10. Erich Irlstorfer, Deutschland

11. Tom Koenigs, Deutschland

12. Dr. Bärbel Kofler, Deutschland

13. Niema Movassat, Deutschland

14. Dr. Sascha Raabe, Deutschland

15. Mechthild Rawert, Deutschland

16. Stefan Rebmann, Deutschland

17. René Röspel, Deutschland

18. Kordula Schulz-Asche, Deutschland

19. Johannes Selle, Deutschland

20. Jens Spahn, Deutschland

21. Harald Weinberg, Deutschland

22. Dagmar G. Wöhrl, Deutschland

23. Kathrin Vogler, Deutschland

24. Birgit Wöllert, Deutschland

25. Heinrich Zertik, Deutschland

26. David Martin, Euopäische Union

27. Antonyia Parvanova, Euopäische Union

28. Fiona Hall, Euopäische Union

29. Judith Sargentini, Euopäische Union

30. Robert Sturdy, Euopäische Union

31. Glenis Willmott, Euopäische Union

32. Claudiu Ciprian TÃNÃSESCU, Euopäische Union

33. Jean Lambert, Euopäische Union

34. Sarah Ludford, Euopäische Union

35. Niccoló Rinaldi, Europäische Union

36. Morganti Claudio, Europäische Union

37. Muscardini Cristiana, Europäische Union

38. Rossi Oreste, Europäische Union

39. Nathalie Grisbeck, Frankreich

40. Nick Herbert, Großbritannien

41. Nick de Bois, Großbritannien

42. Stephen Mosley, Großbritannien

43. Heather Wheeler, Großbritannien

44. Sir Peter Bottomley, Großbritannien

45. Stephen O’Brien, Großbritannien

46. Dr Matthew Offord, Großbritannien

47. Jeremy Lefroy, Großbritannien

48. Robert Halfon, Großbritannien

49. Laurence Robertson, Großbritannien

50. David Amess, Großbritannien

51. Mark Pawsey, Großbritannien

52. Baroness Jenkin, Großbritannien

53. Lord Fowler, Großbritannien

54. Lord Sheikh, Großbritannien

55. Annette Brooke, Großbritannien

56. Andrew George, Großbritannien

57. Sir Malcolm Bruce, Großbritannien

58. Martin Horwood, Großbritannien

59. Julian Huppert, Großbritannien

60. Baroness Suttie, Großbritannien

61. Lord Chidgey, Großbritannien

62. Lord Steel, Großbritannien

63. Lord Shipley, Großbritannien

64. Baroness Falkner, Großbritannien

65. Lord Hussain, Großbritannien

66. Lord Roper, Großbritannien

67. Lord Avebury, Großbritannien

68. Lord Jones, Großbritannien

69. Virendra Sharma, Großbritannien

70. Sir Tony Cunningham, Großbritannien

71. Nic Dakin, Großbritannien

72. Jim Dobbin, Großbritannien

73. Jim Fitzpatrick, Großbritannien

74. Cathy Jamieson, Großbritannien

75. Teresa Pearce, Großbritannien

76. John Spellar, Großbritannien

77. Stephen Timms, Großbritannien

78. Tom Greatrex, Großbritannien

79. Andy Love, Großbritannien

80. Sir Kevin Barron, Großbritannien

81. Siobhain McDonagh, Großbritannien

82. Jim Murphy, Großbritannien

83. Roger Godsiff, Großbritannien

84. Kerry McCarthy, Großbritannien

85. Grahame Morris, Großbritannien

86. Ann McKechin, Großbritannien

87. Dave Watts, Großbritannien

88. Dai Havard, Großbritannien

89. Dame Anne Begg, Großbritannien

90. Ian Davidson, Großbritannien

91. George Mudie, Großbritannien

92. Dave Anderson, Großbritannien

93. Mike Gapes, Großbritannien

94. Alex Cunningham, Großbritannien

95. Jim Dowd, Großbritannien

96. Seema Malhotra, Großbritannien

97. Andy Burnham, Großbritannien

98. Meg Hilier, Großbritannien

99. Jack Straw, Großbritannien

100. Chi Onwurah, Großbritannien

101. Peter Hain, Großbritannien

102. Lord Collins, Großbritannien

103. Lord Ribeiro, Großbritannien

104. Lord Hunt of Kings Heath, Großbritannien

105. Baroness Nye, Großbritannien

106. Baroness Kinnock, Großbritannien

107. Baroness Stern, Großbritannien

108. Baroness Masham, Großbritannien

109. Mark Durkan, Großbritannien

110. Caroline Lucas, Großbritannien

111. Federico Gelli, Italien

112. Ezio Primo Casti, Italien

113. Gian Luigi Gigli, Italien

114. Margherita Miotto, Italien

115. Maria Amato, Italien

116. Elena Carnevali, Italien

117. Vanna Iori, Italien

118. Vittoria D’Incecco, Italien

119. Pierpaolo Vargiu, Italien

120. Sen Claudio Micheloni, Italien

121. Keizo Takemi, Japan

122. Noriko Furuya, Japan

123. Emiko Takagai, Japan

124. Masayoshi Hamada, Japan

125. Gaku Hashimoto, Japan

126. Masayoshi Hamada, Japan

127. Ryuhei Kawada, Japan

128. Toshiharu Furukawa, Japan

129. Hachiro Okonogi, Japan

130. Seiji Kihara, Japan

131. Takao Fujii, Japan

132. Masaaki Taniai, Japan

133. Shunichi Yamaguchi, Japan

134. Ichiro Aisawa, Japan

135. Tsuneo Akaeda, Japan

136. Chiduko Takahashi, Japan

137. Nobuhide Minorikawa, Japan

138. Tsutomu Sato, Japan

139. Yoshinori Oguchi, Japan

140. Akira Koike, Japan

141. Hajime Yoshikawa, Japan

142. Michiyo Takagi, Japan

143. Hideto Shimbara, Japan

144. Yukihisa Fujita, Japan

145. Motoyuki Odachi, Japan

146. Dean Allison, Kanada

147. Kirsty Duncan, Kanada

148. Helene Laverdiere, Kanada

149. Nina Grewal, Kanada

150. Gary Ralph Schellenberger, Kanada

151. Paul Dewar, Kanada

152. Ben Lobb, Kanada

153. John McKay, Kanada

154. Judy Foote, Kanada

155. Francois Choquette, Kanada

156. Isabelle Morin, Kanada

157. Libby Davies, Kanada

158. Elizabeth May, Kanada

159. Yvon Godin, Kanada

160. Lois Brown, Kanada

161. Eliot Engel, Vereinigte Staaten von Amerika

162. Gene Green, Vereinigte Staaten von Amerika

163. Don Young, Vereinigte Staaten von Amerika

164. Jim McDermott, Vereinigte Staaten von Amerika

 

Tauziehen vor dem Bundeskanzlerinnenamt

An einem Strang ziehen: HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria besiegen!

Tauziehen_Stunt_29-11-2013Berlin, 29.11.2013 – Unter diesem Slogan haben das Aktionsbündnis gegen Aids, Ärzte ohne Grenzen und das Stop-TB Forum heute vor dem Bundes-kanzlerinnenamt Frau Merkel aufgefordert, den deutschen Beitrag zum Globalen Fonds zu verdoppeln. Deutschland zählte seit Gründung des Fonds im Jahr 2002 zu den größten Beitragszahlern, ist jedoch mittlerweile von vielen Geberländern überholt.

Bereits gestern hat das Stop-TB Forum in einer Pressemitteilung anlässlich des Welt-Aids-Tages die deutsche Bundesregierung dazu aufgerufen, ihr Engagement im Kampf gegen HIV/Aids und Tuberkulose zu erhöhen. Der Welt-Aids-Tag 2013 stellt für die deutsche Bundesregierung einen guten  Anlass dar, die dringend notwendige Verdoppelung ihres Beitrags an den Fonds anzukündigen. Siehe: http://ow.ly/riflX

 

Deutschland muss sein Engagement im Kampf gegen HIV und Tuberkulose erhöhen!

Das Stop-TB Forum anlässlich des Welt-Aids-Tages am 01. Dezember 2013

Berlin, 28.11.2013 – HIV bleibt trotz Fortschritten die Infektionskrankheit, die weltweit die meisten Todesfälle fordert. Eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen die Krankheit stellt die Koinfektion mit Tuberkulose (TB) dar. TB ist die führende Todesursache unter HIV-Infizierten. Von den ca. 35,3 Millionen Menschen, die im Jahr 2012 mit HIV lebten, war ein Drittel ebenfalls mit TB infiziert. Das Stop-TB Forum fordert die deutsche Bundesregierung und die Staatengemeinschaft auf, mehr Anstrengungen im Kampf gegen die beiden gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt zu unternehmen.

„Beide Krankheiten beeinflussen sich stark negativ“, sagt Dr. Ralf Otto-Knapp vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, Mitglied des Stop-TB Forums. „Menschen mit HIV haben ein vielfach höheres Risiko, an TB zu erkranken als Menschen ohne HIV. Gleichzeitig beschleunigt TB das Fortschreiten einer HIV-Infektion. Zwar hat es Fortschritte in der kombinierten Behandlung beider Krankheiten gegeben, doch das reicht bei Weitem nicht aus, um die weltweite Gefahr der HIV/TB-Koinfektion zu kontrollieren. Mehr Menschen mit HIV müssen auf TB getestet werden und eine antiretrovirale Behandlung erhalten.“

Eine antiretrovirale Behandlung kann bei HIV/TB-koinfizierten Menschen das Risiko, dass die TB-Erkrankung ausbricht, deutlich reduzieren. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben im Jahr 2012 weltweit 300.000 HIV/TB-PatientInnen eine antiretrovirale Behandlung erhalten. Das sind 57% aller HIV/TB-Diagnostizierten. Allerdings muss man von einer großen Dunkelziffer nicht dokumentierter Fälle ausgehen. Sind beide Krankheiten ausgebrochen, ist eine antiretrovirale Behandlung ungleich komplizierter, da sie sich mit den gängigen TB-Medikamenten oft nur schlecht verträgt.

„Wir brauchen dringend kompatiblere Behandlungsregime für HIV und TB, um Menschen, die an HIV und TB erkrankt sind, besser behandeln zu können“, sagt Dr. Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne, ebenfalls Mitglied des Stop-TB Forums. „Insbesondere in der TB-Forschung mangelt es an finanziellen Mitteln. Die deutsche Bundesregierung kann und muss hier ihren Beitrag deutlich erhöhen. Als ersten Schritt hin zu einem verstärkten Engagement im Kampf gegen HIV und TB, müsste Deutschland seinen Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria verdoppeln.“

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist ein internationales Finanzierungsinstrument zur Bekämpfung der drei großen Krankheiten. Deutschland zählte seit Gründung des Fonds im Jahr 2002 zu den größten Beitragszahlern, ist jedoch mittlerweile von vielen Geberländern überholt. Der Welt-Aids-Tag 2013 stellt für die deutsche Bundesregierung einen guten Anlass dar, die dringend notwendige Verdoppelung ihres Beitrags an den Fonds anzukündigen.

Das Stop-TB Forum ist ein Zusammenschluss deutscher Nichtregierungsorganisationen, die sich dem weltweiten Kampf gegen die Tuberkulose verschrieben haben.
Anlässlich des Welt-Aids-Tages veranstaltet das Stop-TB Forum am 02.12.2013 eine
Diskussionsveranstaltung über die Thematik der HIV/TB-Koinfektion. Nähere Informationen sind zu finden unter: www.stop-tb.de/events

Pressekontakt: Maja Volland, Tel.: +49-30-700 130 192, Mobil: +49-176-988 13 131
E-Mail: maja.volland@stop-tb.de

Doppelter Rückschlag in der Finanzierung für TB-Forschung

 Finanzierung für Tuberkulose (TB)-Forschung aus dem Privatsektor sinkt drastisch während gleichzeitig öffentliche Budgets stark gekürzt werden

Berlin, 29.10.2013 – Trotz steigender Gefahr durch multi-resistente TB sinken die Gelder für TB-Forschung 2012 weltweit um 30,4 Millionen US$ im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere der Privatsektor verringerte seinen Investitionsanteil um 22%. Dies geht aus dem Bericht 2013 Report on Tuber-culosis Research Funding Trends, 2005-2012 hervor, den Treatment Action Group (TAG) und das Stop-TB Partnership gestern veröffentlichten.

Der Anteil des Privatsektors an weltweiten Investitionen für TB-Forschung sank damit auf 18%. Einige große Pharma-Unternehmen, wie beispielsweise Pfizer, zogen sich sogar vollständig aus dem Feld der TB-Forschung zurück. Der größte Teil (61%) der globalen Forschungsgelder stammte aus dem öffentlichen Sektor. Lediglich 10 Geber der insgesamt 85 in der Studie ausgewerteten kamen für 78% der globalen TB-Gelder auf. Diese 10 Hauptgeber waren mehrheitlich öffentliche und philanthropische Institutionen aus den USA und Großbritannien.

Eine derart asymmetrische Finanzierungsverteilung gefährdet eine nachhaltige und sichere TB-Forschung und ist besonders besorgniserregend, da die USA in diesem Jahr starke Kürzungen des öffentlichen Haushaltes vornehmen muss. Zudem zeugt diese Asymmetrie von einer ungleich wahrgenommen Verantwortung, Tuberkulose als „public health crisis“, wie die WTO die multi-resistente TB einstuft, zu adressieren.

Um die kleinen Fortschritte in der TB-Forschung der letzen Jahre nicht zu gefährden, brauchen wir mehr politischen Willen im Kampf gegen TB. Wir fordern insbesondere Deutschland, als eine der größten Volkswirtschaften der Welt, seinen Anteil zu leisten.

Der vollständige Report ist zu finden unter: http://www.treatmentactiongroup.org/sites/g/files/g450272/f/201310/TAG_TB_2013_8.5.pdf

 

Tuberkulose – eine globale Gesundheitskrise

Stellungnahme zum neuen Welt-Tuberkulose Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Berlin, 24.10.2013 Gestern veröffentlichte die WHO ihren Welt-Tuberkulose Bericht 2013. Darinwird bestätigt, was von der Mehrheit in den Ländern des globalen Nordens bisher ignoriert wird: Tuberkulose (TB) stellt eine Krise der öffentlichen Gesundheit dar, deren Bekämpfung deutlich mehr Ressourcen und politischen Willen auf höchster Ebene bedarf, als dies bisher der Fall ist.

MISSED_CASESZwar ist die Rate der Neuerkrankungen im Vergleich zum Vorjahr um 2% gesunken, doch bleibt TB mit 8,6 Millionen Neuerkrankungen und 1,3 Millionen Todesfällen im Jahr 2012 eine der tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Die Kontrolle über die Krankheit wird durch drei Faktoren besonders gefährdet: Die zunehmend resistenten Formen der TB, die sogenannte MDR-TB (=multi drugresistant-TB), die aufgrund fehlender neuer Arzneimittel gar nicht oder nur ungenügend behandelt werden kann, die hohe Koinzidenz von TB mit dem HIV-Virus sowie die große Zahl nicht diagnostizierter und nicht behandelter Erkrankter.

DMDR_TB-151x300ie Lage ist dramatisch: Die WHO geht von etwa 450.000 neudiagnostizierten MDR-TB-Fällen im Jahr 2012 aus und schätzt die Zahl der Todesfälle aufgrund einer MDR-TB im selben Zeitraum auf ca. 170.000. In einigenRegionen der Welt erhielt jeder fünfte Mensch, der 2012 mit MDR-TB dia- gnostiziert wurde, keine Behandlung. Hinzu kommt, dass 13% aller neu an TB erkrankter Personen im Jahr 2012 ebenfalls mit dem HIV-Virus infiziert waren, was eine erfolgreiche Behandlung erschwert. Dass zudem 3 Millionen TB-Erkrankungen erst gar nicht erkannt und die Menschen nicht behandelt werden, stellt bei einer über die Luft übertragenen Krankheit ein hohes globales Risiko dar.

Diese Zahlen beunruhigen auch die WHO. Für angemessene Reaktionen fehlt das Geld. Die WHO sieht eine Finanzierungslücke bis 2014 von 2 Milliarden US$. Abgesehen von vereinzelten finanziellen Zusagen, wie die kürzlich versprochenen Beiträge der USA und Großbritannien zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, fehlt es dem Kampf gegen TB an politischem Willen.

TB wird in vielen Ländern des globalen Nordens als alte und besiegte Krankheit wahrgenommen. Doch ohne eine entschiedene globale Antwort wird sie weltweit unkontrollierbar werden. Dies ist sowohl aus einer globalen Gesundheits- wie auch aus wirtschaftlicher Perspektive unverantwortlich. Erst kürzlich bezifferte eine Studie der Universität Kiel die Kosten für TB in der EU auf jährlich 5,9 Milliarden Euro. Denn auch in den Ländern des globalen Nordens ist TB und insbesondere MDR-TB auf dem Vormarsch.

Die WHO sieht fünf Schritte als vordringlich an, um auf die TB-Epidemie zu reagieren: Die Redu-zierung der nicht diagnostizierten und behandelten TB-Erkrankten, die Adressierung der MDR-TB als „public health crisis“ mit einer entsprechenden Ressourcenerhöhung für ihre Bekämpfung, eine beschleunigte und verbesserte Behandlung von TB/HIV-Erkrankten, die Schließung der Finanzierungslücke sowie eine schnelle Erhöhung der Forschungsaktivitäten.

Das Stop-TB-Forum fordert insbesondere Deutschland auf, als eine der größten Volkswirtschaften der Welt, seinen Anteil zu leisten. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre eine Erhöhung des deutschen Beitrages zum Globalen Fonds bei der im Dezember anstehenden Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds. Robert Koch, der in Berlin 1882 den TB-Erreger entdeckte, würde ein höheres Engagement seines Heimatlandes im Kampf gegen TB sicherlich befürworten.