TB als Herausforderung für Europa: Die 1. Ministerkonferenz der Östlichen Partnerschaft zu Tuberkulose und multiresistenter Tuberkulose

2015-03-31 14.49.58Die lettische Nationalbibliothek in Riga (Abb. 1) bildete im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft des Landes vom 30.-31.04. die Bühne der 1. Ministerkonferenz der Östlichen Partnerschaft zu Tuberkulose und multiresistenter Tuberkulose. Unter den Teilnehmern war auch das Stop-TB Forum. Ein Ergebnis der Veranstaltung ist die Riga Declaration (Volltext unter http://bit.ly/1aftovs).

Vier inhaltliche Schwerpunkte wurden auf den Panels diskutiert. Den Anfang bildete nach der offiziellen Eröffnung der Bereich Forschung & Entwicklung. Dabei wurden in der Debatte viele kritische Töne zum Status Quo des internationalen Forschungssystems laut. So verwies Dr. Manica Balasegaram (Executive Director of the MSF Access Campaign) auf die Notwendigkeit neuer R&D-Anreizmechanismen, zumal angesichts der weiterhin sehr geringen Zahl neuer TB-Präparate sowie der schlechten Datenlage zu den Anwendungsmöglichkeiten dieser Innovationen (ein vollständiges Video zu Panel I findet sich unter http://bit.ly/1afKYzs).

Im zweiten Absschnitt des Tages wurde das Problem von TB bei besonders gefährdeten Gruppen adressiert. Prof. Dr. Michel Kazatchkine (UN Secretary-General’s Special Envoy for AIDS in Eastern Europe and Central Asia) hob in seiner Keynote vor allem drei PatientInnen-Gruppen hervor: Gefängnisinsassen, DrogennutzerInnen und MigrantInnen. Dabei wandte er sich gegen die negativen Folgen repressiver Drogenpolitik und plädierte für europaweite „cultural sensitive health services“. Die Diskutanten erwähnten mehrfach, dass Tuberkulose als eine „soziale Krankheit“ ganzheitlich wahrgenommen und entsprechend mehrdimensional politisch angegangen werden muss (ein vollständiges Video zu Panel II findet sich unter https://www.youtube.com/watch?v=SolZL2FdVvM).

2015-03-31 09.06.52Der zweite Tag wurde durch den lettischen Gesundheitsminister Dr. Guntis Belēvičs eröffnet (siehe Abb. 2), welcher die Maßnahmen und Ergebnisse der TB-Bekämpfungsstrategie Lettlands darlegte. Dr. Hans Kluge (Director of the Division of Health Systems and Public Health, WHO Regional Office for Europe) verwies anknüpfend darauf, dass ungeachtet des drängenden Problems massiver Finanzierungslücken für Anti TB-Programme in Europa auch kritisch betrachtet werden müsse, wie effektiv die nationalen Gesundheitssysteme ihre Ressourcen einsetzten. 2015-03-31 10.48.42Dem dritten Panel zu Fragen der Finanzierung einer wirklich nachhaltigen Reaktion auf die TB-Epidemie (ein vollständiges Video findet sich unter http://bit.ly/1DGlDMo) folgte ein gemeinsames Statement zivilgesellschaftlicher Organisationen (siehe Abb. 3, Volltext unter http://bit.ly/1afN16q). Der Aufruf zu ernstgemeinter Leadership wurde flankiert von einer Kritik an dem Fernbleiben politischer Führungspersonen, etwa des EU-Gesundheitskommissars Vytenis Andriukaitis.

Im finalen, vierten Panel zu regionalen Ansätzen im Kampf gegen TB/MDR-TB wurde immer wieder deutlich, wie verschiedene EU-Regelungen dies grenzübergreifende Gesundheitsversorgung auch bei TB noch erschweren. Gleichzeitig herrschte Einigkeit, dass die frühe Diagnose der Krankheit gerade vor dem Hintergrund verstärkter Bewegungsfreiheit immer elementarer wird.

Angesichts der vielfältigen Themen und Probleme die in den zwei Konferenztagen bezüglich TB/MDR-TB aufgeworfen und beleuchtet wurden, begrüßten die Teilnehmer umso mehr, dass Repräsentanten der Slowakei offiziell erklärten, das Land würde im Zuge seiner EU-Ratspräsidentschaft 2016 den Fokus auf TB beibehalten und eine entsprechende Folgekonferenz ausrichten.

© Fotos: Max Klein