Tuberkulose: Von der „Schwindsucht“ zum „Superkeim“ – Forschung zu TB und antimikrobiellen Resistenzen (AMR) im Kontext von G7/G20

Berlin, 17. März: Die Ausbreitung teils extrem resistenter TB-Erreger nährt die Sorge um ein „postantibiotisches Zeitalter“, gerade die WHO Region Europa bildet ein wichtiges Epizentrum. Der Forschungsbedarf in den Bereichen Behandlung, Diagnostik und Impfstoffe ist äußerst dringend und Deutschland hat sich bei seiner letztjährigen G7-Präsidentschaft mit den Agendaschwerpunkten „Armutsbedingte Infektionskrankheiten“ und „Antimikrobielle Resistenzen“ zur verstärkten Verantwortung bekannt. Vor diesem Hintergrund diskutierte das Stop-TB Forum am 17. März im Bundestag mit ParlamentarierInnen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft über Parl. Frühstück 2016_PlenumForschungslücken, politische Handlungsoptionen sowie die daraus resultierenden Aufgaben für den G7- und G20-Prozess. Das Event erfolgte in Form eines Parlamentarischen Frühstücks und erfuhr umfangreiches Interesse (Foto: Sabrina Göddertz).

Stephan Albani (MdB), Schirmherr der Veranstaltung und engagiert im Global TB Caucus, begann seine Ausführungen mit dem Aufruf, die Gesellschaften in den Ländern, wo TB für Viele eine überwunden geglaubte Krankheit darstellt, wieder stärker für das Problem zu sensibilisieren (Foto: Sabrina Göddertz). Ein Bewusstseinswandel sei vonnöten, um stärkere politische Dynamiken, beispielsweise bezüglich größerer Forschungsförderung, zu wecken.Parl Frühstcük 2016_Albani

Anschließend legte Frau Dr. Katharina Kranzer, Leiterin des Nationalen und Supranationalen Referenzzentrums für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel, anschaulich dar, weshalb resistente TB-Erreger eine Art Musterbeispiel für antimikrobielle Resistenzen sind. Dabei verwies sie allerdings auch auf die komplexen Implikationen von Besonderheiten der TB, etwa die Möglichkeit der Bakterien, in einen jahrelangen „Ruhemodus“ zu verfallen. Dr. Kranzer zog Parallelen zu den erfolgreichen Leitbildern in der HIV/Aids-Bekämpfung („Know your epidemic, know your response“) und sprach sich eindringlich für eine Stärkung von tragenden Säulen wie etwa Labor-Qualitäten in betroffenen Ländern, Zugang zu Behandlungsprogrammen und Forschung zu kürzeren Therapie-Regimen aus.

Sebastian Dietrich, medizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen, ergänzte diese Einblicke in seinem Vortrag mit Erfahrungen aus der jahrelangen Arbeit im Osten der WHO-Region Europa. Er zeigte dabei auf, wie dramatisch sich die Resistenzentwicklung in einigen Ländern bereits darstellt und welche massiven Schwierigkeiten die langwierigen, quälenden und oftmals nicht erfolgreichen Therapien den PatientInnen vor Ort bereiten. Zwar hob er neue Möglichkeiten in der Diagnostik hervor, verwies jedoch eindringlich auf die Notwendigkeit kürzerer Therapien und eine angemessene Ausstattung der Arbeit des Globalen Fonds. So sei der GFATM in einigen Ländern der zentrale Akteur zur Bereitstellung von vielfach benötigten TB-Präparaten.

Nach kurzer Zusammenfassung hob schließlich Max Klein, Koordinator des Stop-TB Forums, hervor, dass etwa das Beispiel der TB-Bekämpfung in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeige, welche Erfolge die staatliche Stärkung der Forschung zu Antibiotika erreichen könnte. Darauf aufbauend, griff er die 2015 formulierten G7-Vorhaben in den Bereichen Forschung und Gesundheit auf, um einen Ausblick für mögliche Neuerungen wie De-Linkage oder alternative Forschungsmodelle auszubreiten.

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch eine engagierte Diskussion, in der unter anderem Fragen zur Bekämpfung von Stigma sowie der momentanen TB-Situation in Deutschland besprochen wurden.