Tuberkulosebekämpfung und die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland: Gesundheitssysteme stärken, Vorurteile entkräften

PRESSEMITTEILUNG

Tuberkulosebekämpfung und die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland: Gesundheitssysteme stärken, Vorurteile entkräften

Berlin, 26. November 2015. Die momentane medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland zeigt die Notwendigkeit einer schnellen Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGDs) — insbesondere die Sicherung einer adäquaten Diagnose und Behandlung von TuberkulosepatientInnen. Die Art der Berichterstattung zu Verdachtsfällen bei Flüchtlingen zeigt zudem, dass eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit notwendig ist, um eine Stigmatisierung von Betroffenen zu vermeiden. Wie das Robert Koch Institut hervorhebt, stellen Flüchtlinge eine gefährdete Gruppe dar und nicht eine, von der eine Gefahr ausgeht.

„Gesundheit ist ein Menschenrecht. Deutschland kann und muss für eine angemessene medizinische Versorgung von Flüchtlingen einstehen. Der Kampf gegen die Tuberkulose, eine der ältesten bekannten Krankheiten der Menschheit, zeigt exemplarisch, dass dies Ressourcen statt Ressentiments erfordert. Gerade Deutschland, die Heimat des Tuberkulose-Forschungspioniers Robert Koch, sollte hier eine Vorbildrolle einnehmen“, bringt es Burkhard Kömm, Geschäftsführer der Stop-TB Forum-Mitgliedsorganisation DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, auf den Punkt.

Das Stop TB Forum, ein Zusammenschluss humanitärer und entwicklungspolitischer Nichtregierungs-organisationen aus Deutschland, mit dem Ziel der weltweiten TB-Bekämpfung, sieht dafür die deutsche Politik national und international in der Pflicht. Für eine nachhaltige TB-Kontrolle fordert das Netzwerk daher:

1. Stärkung der nationalen Versorgungsstrukturen in Form des ÖGDs

Der ÖGD befindet sich seit einigen Monaten unter verstärkter Beanspruchung. „Exemplarisch dafür steht das Ringen um die Gewährleistung einer angemessenen Diagnostik und Behandlung von Tuberkuloseinfektionen. Beides sind wichtige Gradmesser für die Leistungsfähigkeit des ÖGDs und für den politischen Willen, diese zu sichern,“ so Dr. Martin Priwitzer, Arzt im öffentlichen Gesundheitsdienst und Präsidiumsmitglied des DZK. „Neben der medizinischen Untersuchung und Behandlung von Flüchtlingen bildet die angemessene Unterbringung im Fall der TB Schlüssel zur erfolgreichen Vorsorge. In diesem Zusammenhang ist die besondere Rolle des ÖGDs für die aktive Fallsuche hervorzuheben. Wir brauchen aber eine schnelle Aufstockung finanzieller und personeller Ressourcen, um diese Funktion weiterhin effektiv wahrnehmen zu können.“

2. Umfangreicheres internationales Engagements Deutschlands gegen die Tuberkulose

Die deutsche Politik hat zuletzt im Rahmen der G7-Präsidentschaft mehrfach bekräftigt, dass die Stärkung von Gesundheitssystemen eines ihrer zentrales Anliegen darstellt. Dieses Versprechen ist nicht nur national, sondern vor allem auch international einzulösen. „Ursachenbekämpfung wird hierfür unerlässlich sein“, stellt Max Klein, Koordinator des Stop-TB Forums, fest „ein nachhaltiger Ausbau von Gesundheitssystemen sowie die Verbesserung von Lebensbedingungen sind elementar, insbesondere in Ländern mit höherem TB-Vorkommen. In diesem Zusammenhang kommt auch der angemessenen Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) von deutscher Seite eine zentrale Rolle zu.“

3. Vorgehen gegen die dramatischen Forschungslücken bei Tuberkulose

„Entsprechende Maßnahmen müssen zudem flankiert werden durch größeres Engagement im Bereich Forschung und Entwicklung. Weiterhin wird die Bekämpfung der Krankheit international und auch in Deutschland durch massive Forschungslücken erschwert“, so Hedwig Diekwisch von der BUKO Pharma-Kampagne. „Nach wie vor existiert keine adäquate Impfung gegen Tuberkulose. Zudem bedeutet die Behandlung resistenter TB aufgrund veralteter Antibiotika mehrjährige Strapazen für PatientInnen.“

Kontakt: Max Klein (Koordinator Stop-TB Forum), @: max.klein@stop-tb.de