Wachsende Ambitionen, schwindende Budgets – Die Global Plan to Stop TB & Eastern Europe & Central Asia Consultation on sustainable Impact

In einer zweitägigen Konsultation mit Fokus auf der EECA (Eastern Europe and Central Asia) debattierten die Stop TB Partnership und der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) am 23./24.07.2015 in Istanbul neue Strategien zu Inhalten und Finanzierung der regionalen Bekämpfung von TB und HIV/Aids. Charakteristisch für die TB-Situation in der EECA sind unter anderem die hohen Raten resistenter TB-Varianten sowie eine enge Verschränkung mit Menschenrechts-fragen durch die sensible Stellung der Key Populations, wie etwa Drogen-nutzerInnen. Wiederholt wurde in den Diskussionen deutlich, dass die Lage in mehreren Ländern, darunter vor allem in Russland und der Ukraine, vor dem Hintergrund interner Spannungen momentan starken Anlass zur Sorge bietet. Dies spiegelte sich auch wieder in einer gemeinsamen Erklärung der TeilnehmerInnen zu den jüngsten Entwicklungen im Donbass (siehe http://bit.ly/1Jk6i5y).

Eröffnet wurde der erste Sitzungstag im Zeichen des neuen Global Plan, der von 2016-2020 die ersten Jahre der WHO End TB-Strategie begleiten soll (für den Volltext, siehe http://www.stoptb.org/global/plan/plan2/). Nach den Treffen in Addis Abbeba und Bangok wurde dafür in Istanbul zum dritten Mal die Zivilgesellschaft adressiert. Das letzte Meeting findet am 02.09.2015 in Buenos Aires statt, der offene Online-Prozess läuft bis 10.08.2015. Von Seiten der Stop TB Partnership wurde betont, dass der Plan einen Paradigmenwechsel verdeutlichen soll. Ziel einer nun längerfristigen Vision ist das ambitionierte Ziel, nicht mehr lediglich eine „passive“ Kontrolle von TB zu bewirken, sondern das „aktive“ Fordern einer Beendigung der globalen Seuche zu erreichen. Als zentrale Leitlinie gilt dabei das so genannte 90-(90)-90-Konzept. Von NGO-VertreterInnen wurde in diesem Kontext bei den Arbeitsgruppen vor allem wiederholt die Notwendigkeit von Community Systems Strengthening sowie die zentrale Rolle der Betonung von Menschenrechten hervorgehoben.

Kontroverse Debatten entsponnen sich am zweiten Tag der Veranstaltung bezüglich der Planungen des GFATM, das finanzielle Engagement in der Region zu vermindern und stattdessen v.a. verstärkt auf staatliche Ressourcen vor Ort zu setzen (für den Volltext, siehe http://bit.ly/1D3a8Py). Während führende Repräsentanten des Fonds erklärten, dass wichtige Geber nicht mehr bereit seien, umfangreiche Hilfen für Länder bereitzustellen, die teils als Middle-Income Countries eingestuft werden, wiesen NGO-Vertreter auf die starke Abhängigkeit von externer Förderung vieler Projekte hin. Dies beträfe auch grundlegende Instrumente wie Medikamente  sowie Diagnostik über den GeneXpert. Es sei daher äußerst fraglich, ob die abzusehende Lücke wirklich anderweitig geschlossen würde. Einigkeit herrschte bei der Einschätzung, dass die kommenden Schritte behutsam und unter intensivem Monitoring erfolgen sollten. Ansonsten bestehe eine akute Gefahr, dass gerade bei MDR-TB und XDR-TB die Zunahme der Fallzahlen weiter beschleunigt werde.

© Fotos: Max Klein